Ackerwissen: Pflanzenmulch in unserem Sommergemüse
Seit vier Jahren arbeiten wir in unseren Gewächshäusern mit pflanzlichem Mulchmaterial zur Bodenbedeckung. Den „Mulch“ in Form von geschnittenem Gras und Klee („Kleegras“) konnten wir am Samstag zusammen mit vielen helfenden Solawista-Händen unter den Tomaten, Gurken und Auberginen verteilen.
In den Gewächshäusern – wir nennen sie Folientunnel – haben wir das Kleegras am Samstag in silierter Form ausgebracht. „Silage“ ist geschnittenes Pflanzenmaterial, das unter Aussschluss von Sauerstoff fermentiert. So entsteht lange haltbares, für z.B. Rinder sehr schmackhaftes Futter, ganz ähnlich und genauso simpel wie bei der Herstellung von Sauerkraut. Wir verwenden den Silage-Mulch gern, weil er unabhängig von der Witterung und der Jahreszeit jederzeit zur Verfügung steht – luftdicht verpackt in großen Plastikballen – und sich damit genau dann einsetzen lässt, wenn wir mulchen wollen. So können wir auch bei Regenwetter oder in einer Woche, in der gerade keine Wiese und kein Kleegrasacker geschnitten werden müssen, mit dem Verteilen des Materials loslegen. Auch die auf dem Biohof Quellen vorhandene Technik passt gut zum Mulchen mit Silage: dank eines modernen Ballenabwicklers werden aus dicht gepressten Ballen in null komma nichts fluffige Haufen an genau den Stellen, wo wir sie haben wollen (weiter geht es dann von Hand per Schubkarren zwischen die Pflanzreihen).
Wer am Samstag dabei war, spürt es vielleicht noch in den Knochen: Mulchen von Hand ist ziemlich viel Arbeit. Warum der ganze Aufwand? Zumal es ja bewährte Alternativen gibt; aus Plastik zwar, aber sehr langlebig, in Form von Bändchengewebe („Agrotex“) (mehr dazu in diesem Ackerwissen-Beitrag)…
Die großen Vorteile des Mulchens kommen tatsächlich bei beiden Varianten – Plastik und Pflanzenmaterial – zum Tragen: Unkraut wird unterdrückt und der Boden wird geschützt, so dass er deutlich weniger verdunstet und erodiert. Natürliches Mulchmaterial hat aber noch weitere Vorteile:
– Düngewirkung: ein Teil der Mulchschicht wird vom Bodenleben soweit zerkleinert, dass darin enthaltene Nährstoffe pflanzenverfügbar werden.
– angenehmes Kleinklima: das natürliche Material kann Klimaextreme abpuffern, z.B. je nach Luftfeuchtigkeit Wasser speichern oder abgeben; oder den Boden besonders effektiv vor zu starker Hitze schützen. Davon profitiert in jedem Fall das Bodenleben; im Gewächshaus freuen sich die Pflanzen außerdem besonders über ein ausgewogenes, gemäßigtes Kleinklima.
– Humuswirkung: wenn es gelingt, das Pflanzenmaterial nach dem Abernten des Gemüses in den Boden einzuarbeiten, wirkt sich das – neben einem leichten Düngeeffekt für die nachfolgenden Pflanzen – positiv auf den Humus und die langfristige Bodenfruchtbarkeit aus.
Warum dann nicht noch viel mehr Mulchen, auch im Freiland?
Bisher hält uns vor allem der hohe Arbeitsaufwand davon ab. Auch der Aufwand für die Mulchgewinnung ist nicht zu unterschätzen: passende Maschinen müssen her und jede Menge Fläche – die ein- bis zweifache Menge der Anbaufläche wird als „Geberfläche“ benötigt, auf der Material aufwachsen und geschnitten werden kann! Auch ist nicht jedes Schnittgut geeignet – keinesfalls sollte es reife Samen enthalten, auch zu viel sehr altes, strohiges Pflanzenmaterial kann sich in Form einer „Stickstoffsperre“ nachteilig auf das Wachstum auswirken.
Wir bauen deshalb das meiste lang stehende Gemüse „klassisch“ in offenem Boden an und versuchen, wo es geht, Untersaaten einzustreuen. Bei den flächenintensiven Kürbissen und Zucchini, unseren einzigen einreihigen Kulturen mit besonders viel offenem Boden, nutzen wir Bändchengewebe, was auch zu deutlich saubereren und trockeneren Früchten beiträgt. Mit dem „Plastik-Zeug“ lässt sich der Boden einfach viel viel schneller gleichmäßig bedecken als mit Pflanzenmulch – vor allem, wenn so flinke Helferlein mit anpacken, wie neulich die FÖJler:innen von Greenpeace aus Hamburg, die tatsächlich fast 3000 Quadratmeter Bändchengewebe mit uns verlegt haben. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle!
Nächste Woche erfahrt ihr im Ackerwissen, wo wir im Freiland bereits jetzt Pflanzenmulch einsetzen – und welchen Fehler ihr beim Mulchen auf keinen Fall machen solltet!
Text und Fotos: Wendelin Sandkühler