Spektakulärer Spitzkohl
Er ist nicht so bekannt wie seine roten oder weißen runden Verwandten und hier im Norden auch (noch) nicht so beliebt wie seine grün gefiederte Schwester – komisch eigentlich, denn Spitzkohl ist so ein tolles Gemüse!
Wir Gärtner:innen lieben ihn, weil er recht einfach anzubauen ist, da er ebenso wie Brokkoli und Co. angehäufelt werden kann, was viel Handarbeit bei der Unkrautregulierung spart. Gleichzeitig hat er eine längere Feldhaltbarkeit und muss nicht unbedingt (wie z.B. Brokkoli, Blumenkohl, Zucchini oder Gurke) innerhalb weniger Tage geerntet werden. So sind wir flexibler bei der Ernteplanung. Brauchen wir früh Spitzkohl, ist er besonders zart und zuhause in der Küche noch halbwegs handlich. Ernten wir ein paar Wochen später, ist er immer noch wunderbar, nur eben größer 😉 Monate sollte man mit der Ernte aber auch nicht warten, sonst können die schön geformten Spitzkohl-„Pyramiden“ aufplatzen. Selbstverständlich verteilen wir auch eventuelle geplatzte Exemplare – sie sind weiter wunderbar lecker und perfekt für Sauerkraut oder Kimchi.
Praktisch am Spitzkohl ist auch, dass es ganz unterschiedliche Sorten gibt: vom unglaublich schnell wachsenden, kompakten Spitzkohl (wir verwenden immer die Sorte Eersteling) für eine Ernte bereits im Juni bis zum sogenannten Einschneidekraut, bei dem ein Kopf bis zu 8 Kilo schwer werden kann – perfekt für Fermentations-Enthusiasten! Dazu kommt, dass der Spitzkohl nicht ganz so anspruchsvoll in Sachen Nährstoffe ist, wie z.B. Rot-, Weiß- oder Rosenkohl. Wir haben vor zwei Wochen Spitzkohl gepflanzt – und zwar erstmalig die berühmte Einschneide-Sorte „Filderkraut“ – und die jungen Pflanzen diese Woche mit langsam und kontinuierlich wirkendem Dünger in Form von Schafwollpellets gedüngt.
Wer ganz genau aufgepasst hat und die Solawi schon kennt, fragt sich jetzt vielleicht, warum es dieses Jahr im Juni/Juli keinen frühen Spitzkohl gab (nur wenige Solawistas haben bisher einen bekommen) und nun stattdessen (und erstmalig) von Riesenexemplaren im Herbst die Rede ist? Zu Recht! Tatsächlich wird es bis Oktober keinen weiteren Spitzkohl geben.
Und das kam so: Eigentlich war geplant, dass alle Solawistas im Frühsommer mindestens einen Spitzkohl bekommen. Leider hat sich bei den Jungpflanzen – mit denen uns die Bio-Gärtnerei Homann seit vielen Jahren zuverlässig beliefert – ein Fehler eingeschlichen: sieben der acht Spitzkohl-Kisten enthielten in Wahrheit Blumenkohl-Pflänzchen. Da die Pflanzen im Jugendstadium quasi identisch aussehen, fiel das niemandem auf. Der Kohl war von Unkraut befreit, gedüngt und wuchs friedlich unter seinem Insektenschutznetz vor sich hin – erst Ende Mai bemerkten wir, dass die meisten vermeintlichen Spitzköhler sich anschickten, Blumenkohl zu werden!
So gab es nun vor einigen Wochen nur wenig Spitzkohl – und mehr Blumenkohl als geplant, allerdings leider viele kleine und überreife Exemplare. Denn Blumenkohl braucht (wie z.B. auch Rosen- und Grünkohl) besonders viel Platz. Wir pflanzten ihn aber natürlich im engeren, für Spitzkohl gedachten Abstand. So blieb der Blumenkohl zu klein und setzte zur Notblüte an – so dass wir viele Blumen nur noch als „B-Ware“ verteilen konnten. Zu allem Überfluss war es auch noch über 30 Grad heiß in der Zeit…
Damit es doch nochmal Spitzkohl für alle gibt, haben wir nun im Juni Pflanzen nachbestellt – verfügbar war allerdings nur noch die größere Sorte „Filderkraut“. Da wir sie etwas enger und relativ spät gepflanzt haben, müsst ihr trotzdem keine 8-Kilo-Exemplare fürchten, die euren Kühlschrank sprengen.
Spitzkohl kann ähnlich wie Brokkoli von Anfang März bis Anfang August gepflanzt werden und sollte wenn möglich mit Insektenschutznetz vor Kohlweißling und Co. geschützt werden.
Vermutet wird, dass der Spitzkohl ursprünglich aus China stammt, dem Kohl-Land N Nummer eins was Anbaufläche und Verzehr angeht! Genau wie andere Kohlsorten ist auch Spitzkohl sehr gesund. Er ist reich an Vitamin-C, Ballaststoffen und Zink, was besonders vorbeugend gegen Erkältungen wirken kann.
Der Spitzkohl schmeckt trotz seines Kohlaromas dezent und fein und erinnert an Blumenkohl und Wirsing. Er kann wunderbar roh, z.B. im Salat, verzehrt werden und seine zarten Blätter laden dazu ein, leckere Dinge darin einzuwickeln. Das müssen
nicht immer die klassischen Kohlrouladen sein – er eignet sich auch als Hülle für Gemüse-/Sommerrollen oder kann als Alternative zu Dürüm oder Tortillas benutzt werden, um sich einen „Rollo“ (wie die Bremer:innen sagen) zu rollen. 😉
Spitzkohl hält sich sehr lange, idealerweise in einem feuchten Küchentuch eingewickelt im Gemüsefach des Kühlschranks.
Wenn ihr z.B. einmal pro Woche einige Schichten der äußeren Blätter verspeist könnt ihr mehrere Wochen Freude an einem Exemplar haben. Auch der Strunk kann, fein geschnitten und gedünstet, verzehrt werden.
Viva la Spitzkohl!
Text: Nicola Fein und Wendelin Sandkühler
Fotos: Wendelin Sandkühler