Ackerwissen: Unsere Gemüse-Sorgenkinder im Herbst
Der Herbst ist da – Zeit für eine Zwischenbilanz unserer zahlreichen Gemüsearten auf dem Solawi-Acker. Vieles gedeiht wunderbar, zum Beispiel unsere Lagermöhren, Rot-, Weiß- und Wirsingkohl, unsere verschiedenen Salate, der Fenchel, die Rote Bete, der Sellerie… Auch die Kürbisse sind schön geworden und nachdem wir letzte Woche hauptsächlich Exemplare mit leichten Mängeln für den schnellen Verzehr verteilt haben, gibt es ab kommender Woche stattliche Lager-Exemplare.
Aber manches Gemüse macht uns auch Sorgen und bringt weniger Ertrag als geplant. Das ist jedes Jahr so, aber meist sind andere Pflanzen betroffen – je nach Wetter, Schädlings- und Krankheitsdruck und dem glücklichen Händchen von uns Gärtner:innen. Im Großen und Ganzen ist das Schöne im Gemüseanbau, dass es selten wirklich schlechte Bedingungen gibt: das eine Gemüse mag kühles, feuchtes Wetter, das andere trockene Hitze. So halten sich Erfolg und Misserfolg meist ganz gut die Waage – und die meisten Pflanzen bringen solide Durchschnittserträge. Diesen Herbst allerdings haben wir gemerkt, dass der extrem nasse Spätsommer auf unseren sowieso sehr feuchten Flächen für viele Pflanzen ein echter Nachteil war. Wir wollen euch deshalb ein wenig von unseren aktuellen Gemüse-Sorgenkindern berichten – auch, damit ihr besser einschätzen könnt, warum es das eine oder andere vielleicht aktuell nicht in gewohnter Menge, Größe oder Qualität in eurer Abholstelle gibt.
Beim Spinat, den wir letzte Woche verteilt haben, hatten wir schon beim Pflanzen kein gutes Gefühl. Wir waren spät dran, zuvor war es einfach viel zu nass für eine Pflanzung. Und die Blätter der Jungpflanzen waren schwach, mit weichem Gewebe. Nachdem der Acker erst überschwemmt war, wurde es Anfang September ungewohnt heiß. Für den Spinat das Signal: jetzt schnell Blühen, bevor der Herbst kommt. Wir aber wollen viele dicke Blätter ernten, keine zähen Blütenstängel. Wir haben durch Lupinen-Düngung, Pflege und Bewässerung versucht, zu retten was zu retten war. Am Ende gab es vergangene Woche eine gute Portion Spinat für euch – leider war die Qualität nicht ideal und er war sehr schlecht haltbar. Und der Ertrag war gering: Geplant waren eigentlich zwei üppige Verteilungen.
Bei den Dicken Bohnen hatten wir doppelt Pech: Im Frühjahr blieben die Pflanzen mickrig, der Ertrag mini. Wir säten daraufhin nochmal Dicke Bohnen aus, die auch schön groß wurden und mit ihren schneeweißen Blüten glänzten. Befruchtet wurde allerdings fast keine der Blüten, so dass die Ernte traurig war und überhaupt nur einige wenige Solawistas in den Genuss der Dicken Bohnen kamen.
Viele raten von Dicken Bohnen für den Spätsommer/Herbst ab – künftig wollen wir da auch die Finger davon lassen und und lieber noch mehr Sorgfalt auf ihren Anbau im Frühjahr verwenden.
Der Zuckermais hatte einen viel zu nassen Standort in diesem Sommer. Dadurch wurden insbesondere die direkt gesäten Maispflanzen zurückgeworfen und von Nässe liebendem Unkraut wie Knöterich und Vogelmiere zugewuchert. Der gepflanzte Mais schlug sich besser. Geschmacklich war der Mais sehr süß und lecker – nur mit der Menge sind wir unzufrieden. Die Saison ist nämlich schon wieder fast vorbei. Nur noch einige wenige Solawistas werden in den Genuss eines Maiskolbens kommen. Für nächstes Jahr optimieren wir weiter unseren Mais-Masterplan – eine Dauerbaustelle! – und wollen aber gleichzeitig vermeiden, euch mit sieben Kolben in einer einzigen Woche zu erschlagen.
Gärtner:innen lernen nie aus. Trotz mehreren Jahrzehnten gemeinsamer Berufserfahrung hatten wir alle noch nie von Sonnenbrand bei Kürbissen gehört. Tja, Anfang September ist es passiert – mehrere hundert Exemplare unserer Spezial-Sorte Blue Ballet haben auf ihrer Südseite eine weiche weiße Stelle bekommen. Und wir mussten, zack, zur Kürbis-Notfall-Ernte schreiten. Die anderen Sorten, Hokkaido und Butternut, waren zum Glück nicht betroffen.
Auch eine neue Erfahrung für uns war Sonnenbrand in Paprika. Auch hier waren nur die neuen Sorten Corno Rosso und Corno Giallo betroffen, die wir getestet haben. Tja, und mit dem Rotwerden hat es dieses Jahr bei unserer Standard-Paprika-Sorte Atris nur bei ganz wenigen Früchten geklappt. Es war einfach zu kühl und nass im Juli und August. Hoffentlich schmeck(t)en euch auch die grünen Früchte – und immerhin enthalten sie selbst in ganz grün schon rund doppelt so viel Vitamin C wie eine Zitrone.
Unsere Zucchini waren auch dieses Jahr von der Gurkenkrätze-Krankheit geplagt, so dass es schon sehr lange nur sehr wenige und teils auch nicht so schöne Früchte zu ernten gibt.
Beim herbstlichen Blumenkohl und Brokkoli hatten wir große Probleme mit schlechter Jungpflanzenqualität, so dass wir nur mit ca. einem Drittel des sonstigen Ertrags rechnen können – trotz sorgfältiger Düngung, Bewässerung und jeder Menge Hackarbeiten, um den Kohl unkrautfrei zu halten. Beim Blumenkohl (und seinem Verwandten, dem Romaneso) sieht es ganz düster aus – nur manche Mitglieder bekommen einen. Beim Brokkoli geht die Ernte gerade erst los, es kommen hoffentlich alle mal in den Genuss, aber die geplanten 2-3 Exemplare pro Anteil im Herbst werden wir leider nicht erreichen.
Text und Fotos: Wendelin Sandkühler