Mitmischerin: Gärtnerin Miri
Was machst du bei der Solawi Superschmelz?
Puh, das lässt sich gar nicht so einfach beantworten – denn wie es eine alte Umschreibung für die Arbeit in der Landwirtschaft schon so schön beschreibt: Es ist ein Beruf der tausend Handgriffe. Und genau das trifft auch auf die Solawi Superschmelz zu. Allein schon die Vielfalt der Pflanzen, die wir pflegen, bringt eine enorme Bandbreite an Aufgaben mit sich. Doch bevor überhaupt etwas gepflanzt werden kann, steht jede Menge Vorbereitung an: von der Anbauplanung und der Bestellung der Jungpflanzen über die Bodenvorbereitung und Düngung – in mehreren Schritten und angepasst an die jeweilige Bodenbeschaffenheit – bis hin zu all den kleinen Reparaturen und Improvisationen, die der Alltag so mit sich bringt.
Ist das alles geschafft, beginnt die eigentliche Arbeit mit dem Gemüse erst: Bewässern, Kulturschutznetze auflegen – bei uns nicht nur zum Schutz vor Schädlingen wie dem Kohlweißling, sondern auch gegen Rehe und Hasen – kurz anwachsen lassen, während andere Kulturen gepflegt werden, dann die Netze wieder abnehmen, Beikraut hacken, Netze erneut schließen … und so weiter. Und irgendwann ist es dann so weit: Ernte!
Ich bin seit März bei Superschmelz dabei und habe in dieser kurzen Zeit wahrscheinlich schon tausend unterschiedliche Tätigkeiten ausgeführt – mit Ausnahme der Planung und Bestellungen, die bereits im Winter erledigt wurden. Zuletzt habe ich zum Beispiel unsere 1.200 Tomatenpflanzen im Folientunnel „gewickelt“ und „gegeizt“. Das bedeutet, ich habe dafür gesorgt, dass die Pflanzen möglichst geordnet in die Höhe wachsen und nicht zu viele Seitentriebe entwickeln. Denn wenn sie zu wild wachsen, tragen sie zwar viele Früchte, diese bleiben dann aber klein – und außerdem kommt man bei der Ernte kaum noch durch die Reihen. Ich kann also berichten: Die ersten Tomaten reifen nun endlich! Und wenn alles gut läuft, könnt ihr nächste Woche in einigen Depots mit den ersten sattroten Exemplaren rechnen.
Welches Gemüse wärst du gerne?
Ich glaube, ich wäre gerne ein Kürbis – einfach weil er vergleichsweise lange in Ruhe wachsen darf und sich in dieser Zeit ganz in seinem eigenen Tempo entfalten kann, bis er schließlich geerntet wird. Außerdem mag ich am Kürbis, dass er sich mehrere Monate lagern lässt und auf ganz unterschiedliche Arten zubereitet werden kann. Überhaupt bin ich ein großer Fan von Lagergemüse. Natürlich weiß ich auch frisches Sommergemüse wie Tomaten und Gurken zu schätzen – aber wo wären wir im Winter und Frühjahr ohne Karotten, Rote Bete, Pastinaken oder Sellerie?
Warum Solawi?
Im neoliberalen Zeitalter spricht für mich alles dafür – sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Es erscheint mir absolut sinnvoll, zumindest die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln weitestgehend vom Markt zu entkoppeln. Vor meiner Zeit bei der Solawi habe ich Politikwissenschaft studiert – mit großen Weltverbesserungsambitionen. Irgendwann habe ich jedoch gemerkt, dass ich eigentlich am liebsten den ganzen Tag draußen bin. Das trifft auf Politikwissenschaftler*innen im Allgemeinen eher weniger zu. Die solidarische Landwirtschaft ist für mich politisch genug, um meinem Anspruch gerecht zu werden – und zugleich eine Lebensweise, bei der ich die Nase in Sonne, Regen und Wind halten kann.